Kernenergie: Entsorgung und Nachhaltigkeit

Informationstagung des Nuklearforums Schweiz am 17. Juni 2005 in Bern

Die Schweiz produziert ihren Strom zu fast 60% aus Wasserkraft und zu 40% aus Kernenergie und damit sehr umweltfreundlich: Wasser- und Kernkraftwerke sind heute die einzigen Energiesysteme, die im Grossmassstab CO2-freie Elektrizität erzeugen und punkto Wirtschaftlichkeit mit fossilbefeuerten Kraftwerken Schritt halten können. Reicht das aus, um die Kernenergie als nachhaltig zu bezeichnen? Und wie steht überhaupt unsere Gesellschaft zur Kernenergie?

Neben Fragen der Nachhaltigkeit widmete die Tagung ihren zweiten Schwerpunkt dem Stand der Entsorgung radioaktiver Abfälle in der Schweiz. Vertreter des Bundes, der nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) sowie auch der Betreiber der Schweizer Kernkraftwerke erläuterten die nächsten Meilensteine der nuklearen Entsorgung in der Schweiz. Insbesondere angesprochen wurden der Sachplan geologische Tiefenlager, der Entsorgungsnachweis und dessen Beurteilung durch die OECD/NEA sowie Forschung und Entwicklung mit dem Ziel der geologischen Tiefenlagerung.


Kurzfassung aller Vorträge
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Die Referenten mit ihren Präsentationen (zum Herunterladen) sind alphabetisch aufgelistet:

BADER, ELVIRA (Nationalrätin): Kernenergie und Gesellschaft
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BERTEL, EVELYNE (Dr., Nuclear Energy Agency NEA): Compétitivité de l'énergie nucléaire dans le monde
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BÜHLMANN, WERNER (Dr., Bundesamt für Energie): Radioaktive Abfälle: Wichtige Weichenstellungen
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HARDEGGER, P. & DONES, ROBERTO (Paul Scherrer Institut PSI): Oekologisches Profil von Nuklearsystemen
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HIRT, PETER (Präsident Swissnuclear): Entsorgungsstrategie Schweiz
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ZUIDEMA, PIET (Dr., NAGRA): Entsorgung der radioaktiven Abfälle: Stand der Arbeiten und Ausblick
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Zusammenfassung

Die Kernenergie ist bei sachlicher Betrachtung eine wünschenswerte Option für die künftige Stromversorgung der Schweiz. Im Spannungsfeld von Wirtschaftlichkeit, Umweltverträglichkeit und Versorgungssicherheit schneidet sie im Vergleich zu anderen Energiequellen gut ab. Es ist jetzt an der Politik, ohne weitere Verzögerungen eine breite öffentliche Diskussion über die Zukunft der Schlüsselenergie Strom zu eröffnen und die nötigen Entscheide bei der Entsorgung der radioaktiven Abfälle zu treffen. Dies ist das Ergebnis der Informationstagung zum Thema "Kernenergie: Entsorgung und Nachhaltigkeit".


Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit
  • Entgegen einer verbreiteten Meinung ist die Kernenergie wirtschaftlich und belastet die Umwelt nur gering. Laut Evelyne Bertel von der Kernenergieagentur (NEA) der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat die jüngste Untersuchung über die künftigen Kosten der Stromproduktion erneut gezeigt, dass die Kernenergie auch weiterhin wettbewerbsfähig bleiben wird. Als Folge der Treibhausgasproblematik und der steigenden Preise von Erdöl und Erdgas wird ihr Kostenvorteil sogar noch zunehmen. Stark für die Kernenergie spreche zudem der Aspekt der Versorgungssicherheit.

  • Die Kernenergie als Stromquelle hat aber auch klare ökologische Vorteile, wie Peter Hardegger vom Paul Scherrer Institut (PSI) darlegte. Umfassende wissenschaftliche Studien zur ganzheitlichen Betrachtung von Energiesystemen - von der Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung - kommen zum Ergebnis, dass die Kernenergie und die Wasserkraft bezüglich der Treibhausgasemissionen, der gesamten Umweltbelastung und der externen Kosten am besten abschneiden - sogar noch etwas besser als Wind, Sonne und Biomasse, die im Vergleich zu Kohle, Erdöl und Erdgas ebenfalls gut dastehen.

  • Der Präsident des Nuklearforums Schweiz, Bruno Pellaud, stellte die Kernenergie in den aktuellen politischen Zusammenhang. Im Mai 2002 beschloss das finnische Parlament nach einem langen öffentlichen Meinungsbildungsprozess, ein neues Kernkraftwerk zu bauen. Im Mai 2003 lehnte das Schweizer Volk die Ausstiegs- und Moratoriumsinitiativen deutlich ab. Und am Weltenergiekongress im September 2004 in Sydney setzte der Weltenergierat die Kernenergie wieder auf die Tagesordnung. Die aktuellen Entwicklungen auf der nationalen und der internationalen Ebene zeigen, dass angesichts der Bedeutung der Kernenergie für die Stromversorgung die Akzeptanz für diese zukunftsträchtige Technologie wächst.

Entsorgung der radioaktiven Abfälle
  • Aktueller Prüfstein für die politische Auseinandersetzung über die Kernenergie ist die Entsorgung der radioaktiven Abfälle. Die nötigen Vorarbeiten sind gemacht. Piet Zuidema von der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) erinnerte daran, dass die Nagra Ende 2002 beim Bund den Entsorgungsnachweis für die hochaktiven Abfälle eingereicht hat. Die umfassenden Forschungsarbeiten haben gezeigt, dass der Opalinuston hervorragende Barriereeigenschaften hat und dass die Bedingungen im Zürcher Weinland für ein sicheres Tiefenlager günstig sind.

  • Swissnuclear-Präsident Peter Hirt hielt fest, dass mit dem Entsorgungsnachweis für hochradioaktive Abfälle alle im Zusammenhang mit dem Betrieb der Kernkraftwerke bestehenden Auflagen erfüllt sind. Die Kernenergiebranche wolle die Entsorgungsfrage zügig lösen und habe deshalb in den letzten Jahren ihre Hausaufgaben gründlich gemacht. Er forderte die Behörden auf mitzuziehen und die nötigen Entscheide zum Entsorgungsnachweis für ein Lager für hochaktive Abfälle ebenfalls zügig zu fällen. Damit könne als nächster Schritt das Rahmenbewilligungsgesuch eingereicht werden. Bei den schwach- und mittelaktiven Abfällen wollen die Nagra und die Kernkraftwerksbetreiber - nach der Ablehnung des Sondierstollens am Wellenberg in Nidwalden - ebenfalls zeitnah die Standortfrage klären und anschliessend das entsprechende Rahmenbewilligungsgesuch einreichen. Bereits 1988 hatte der Bundesrat entschieden, dass der Entsorgungsnachweis für schwach- und mittelaktive Abfälle erbracht worden ist. Gesichert ist die Finanzierung: Die Entsorgungskosten, die während des Betriebs der Kernkraftwerke anfallen, begleichen die Betreiber direkt. Zur Deckung der Entsorgungskosten nach der Ausserbetriebnahme äufnen sie einen Fonds, der vom Bund kontrolliert wird.

  • Werner Bühlmann, Vizedirektor im Bundesamt für Energie (BFE), skizzierte die weiteren Schritte: Seit 2003 prüfen die Behörden die Unterlagen der Nagra zum Entsorgungsnachweis für die hochaktiven Abfälle. Vom 13. September bis zum 12. Dezember 2005 werden zudem alle entscheidrelevanten Unterlagen öffentlich aufgelegt. Geplant ist, dass der Bundesrat im Jahr 2006 über den Entsorgungsnachweis und das weitere Vorgehen entscheidet. Zur Standortwahl hat der Bundesrat verfügt, dass die Nagra Alternativen zum Zürcher Weinland aufzeigen muss. Zudem werden in einem sogenannten Sachplan die Verfahren und Kriterien für die Standortwahl festgelegt. Dieser Prozess wird mit dem Bundesratsentscheid zum Standort und zur Erteilung der Rahmenbewilligung sowie mit einer allfälligen landesweiten Referendumsabstimmung enden.

Gesamtinteresse des Landes
  • Vor diesem Hintergrund rief die Solothurner CVP-Nationalrätin Elvira Bader die Stromversorger, die Behörden und die politischen Entscheidungsträger auf, offen und ehrlich über alle Aspekte der Kernenergie zu informieren. Sie erinnerte daran, dass die Schweiz in den 1960er Jahren vor einer ähnlichen Herausforderung stand. Damals habe der Bundesrat die Initiative ergriffen und sich aus Gründen des Umweltschutzes und der grösstmöglichen Unabhängigkeit von Energieimporten klar für die Kernenergie ausgesprochen. Auch heute gelte es, den Blick auf die Gesamtinteressen des Landes zu richten und die Kernenergie als hochinteressante Option anzuerkennen. Dazu gehöre auch, dass der Bundesrat die Entsorgung der radioaktiven Abfälle ohne politisch motivierte Verzögerungsmanöver vorantreibe.

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