VPE Umfrage zu den Energieperspektiven

Um unsere Mitglieder und die Interessen der Mitarbeitenden der Elektrizitätswirtschaft noch besser vertreten zu können, haben wir vom 14. Juni bis 9. August 2004 eine grosse Umfrage zu den Energieperspektiven 2035 der Schweiz gemacht. Denn es ist klar, dass die heutigen Weichenstellungen direkt und indirekt kurz- und langfristige Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen und das Arbeitsplatzangebot sowie auf die spezifischen Anforderungen an die Mitarbeitenden in der Elektrizitätswirtschaft haben werden.


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Die Umfrage bestand aus 8 Fragen, die mit 2 Fragen zur Arbeit des VPE ergänzt wurde. Nun liegen die Ergebnisse vor und werden im Folgenden mit Erläuterungen und ersten Schlussfolgerungen kurz dargestellt:

  • Frage 1) Wie beurteilen Sie die heutige Strom-Versorgungssicherheit der Schweiz ?
  • Frage 2) Wie beurteilen Sie den heutigen weitestgehend CO2-freien Stromproduktionsmix der Schweiz mit ca. 56 % Wasserkraft und 39 % Kernenergie sowie nahezu 5 % konventionell-thermische und andere Anlagen unter ökologischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten ?

Der heutige Stromproduktionsmix und die Versorgungssicherheit (n-1) werden von über 80 resp. 90 % der Befragten als gut bis sehr gut angesehen.



Fazit: Die heute vorhandene Versorgungssicherheit und Versorgungsqualität muss erhalten bleiben bzw. sogar verbessert werden. Diese Forderung haben auch die Stromkunden und StimmbürgerInnen in der Abstimmung über das Elektrizitätsmarktgesetz (EMG) im September 2002 eindeutig kundgetan.

Spätestens nach den Abstimmungen zu den Anti-Atominitiativen am 18. Mai 2003 kann man auch davon ausgehen, dass die Bürgerinnen und Bürger wissen wie der Strom in der Schweiz z.Zt. produziert wird, nämlich zu fast 60 % aus Wasserkraft und ca. knapp 40 % aus Kernenergie. Es gibt eine breite Zustimmung zu diesem Strommix.

  • Frage 3) Wie sieht Ihrer Meinung nach der Stromproduktionsmix der Schweiz im Jahre 2035 unter Berücksichtigung der technischen, ökologischen, wirtschaftlichen und politischen Entwicklung aus?

Den neuen erneuerbaren Energien und den fossilen Energieträgern werden mit grosser Mehrheit von den Befragten Anteile im Bereich von weniger als 10 % zugesprochen.



Mehr als 2/3 der Befragten glauben sogar, dass ihr Anteil jeweils unter 5 % liegt.


Nur ein kleiner Prozentsatz der Befragten glaubt an einen Stromproduktionsanteil der neuen erneuerbaren Energien von über 10 %.


Fazit: Das Umfrageergebnis deckt sich mit der Meinung vieler Fachleute, die den neuen erneuerbaren Energien selbstverständlich einen höheren Prozentsatz als heute einräumen, aber ebenfalls realistischerweise ihr Potential bei weitem nicht so positiv einschätzen wie manche Politiker es gerne sehen würden.

Die Umfrageprognose zum Stromproduktionsmix im Jahre 2035 ist konsistent mit den Ergebnissen der folgenden Fragen, die die vorgemachten Angaben und Aussagen in gewisser Weise duplizieren.

  • Frage 4) Was sind die wichtigsten Aufgaben der Elektrizitätswirtschaft in Zukunft ?

Bei den zukünftigen wichtigsten Aufgaben der Elektrizitätswirtschaft wird die Versorgungssicherheit mit grossem Abstand an erster Stelle genannt. Mit etwa gleicher Gewichtung (2. und 3. Priorität) werden wirtschaft- uns sozialverträgliche Preise und eine vom Ausland unabhängige Stromproduktion genannt. Die Förderung alternativer Energien wird erst untergeordnete Priorität eingeräumt.



  • Frage 5) Welche Produktionsart soll den Ersatz der auslaufenden Kernkraftwerkskapazitäten sicherstellen und wie beurteilen Sie die Realisierungschancen ?

Der Ersatz der auslaufenden Kernkraftwerkskapazitäten wird von den Befragten kontrovers gesehen, allerdings mit einer klaren Präferenz.

Fast die Hälfte der Befragten sehen neue Kernkraftwerke als Ersatzlösung erster Priorität an. Jeweils 1/3 wollen den Ausbau der Wasserkraft in 1. und 2. Priorität forcieren. Fossile Kraftwerke (Öl, Gas und Kohle) als einfachste technisch zu realisierende Ersatzlösung wird im Grunde genommen von den Befragten abgelehnt und nur als Notlösung angesehen.

Bei der Beurteilung der Realisierungschancen der Ersatzlösungen zeichnet die Umfrage ein anderes Bild. Nur 1/3 der Befragten glaubt an eine realistische Chance der Kernenergie. Der Ausbau der Wasserkraft und die Steigerung der Energieeffizienz haben hier klar die Nase vorn. Die alternativen Energien und die fossilen Energieträgern werden überwiegend als unrealistische Lösung angesehen.




  • Frage 6) Ist es sinnvoll den inländischen Strombedarf mit Importen aus dem Ausland zu decken ?

Von den Befragten werden Stromimporte zur Deckung des Inlandsbedarfes überwiegend kritisch gesehen und nur von 6 % der Befragten ausdrücklich bejaht.

  • Frage 6a) Wieviel Prozent des inländischen Strombedarfes sollten die Stromimporte aus dem Ausland maximal decken ?

2/3 der Befragten sind der Meinung, dass die Stromimporte 10 % des Inlandsbedarfes nicht übersteigen sollten.




Fazit: Diese kritische Meinung zu den Stromimporten hat der VPE schon in der Vergangenheit vertreten und im Rahmen der Diskussionen zur neuen Elektrizitätswirtschaftsordnung (ELWO) in der Begleitgruppe "Service Public und Versorgungssicherheit" gefordert, zumindest die Eigenproduktion der Grundlast (d.h. der Bandenergie) im Gesetz zu verankern.

Dies alleine ist jedoch nicht ausreichend, um die Versorgungssicherheit in der Schweiz sicherzustellen. Darüber hinaus muss ein möglichst hoher Anteil der Spitzenlast (d.h. sowohl im Sommer als auch im Winter) ebenfalls im Inland produziert werden. Aus diesem Grund schlägt der VPE vor eine Minimalanteil der Eigenproduktion im Gesetz zu verankern. Nur so kann dem legitimen Anspruch der Bevölkerung auf Versorgungssicherheit Rechnung getragen und bestehende Ängste abgebaut werden. Der VPE fordert im Rahmen der Vernehmlassung des Bundesgesetzes zur Stromversorgung (StromVG) entsprechende Regelungen. Eine starke einheimische Produktion sichert letztendlich auch Arbeitsplätze.

Es braucht unserer Meinung nach in diesem speziellen Punkt klare staatliche Leitplanken und verbindliche Regelungen, da nicht alles ausschliesslich dem Markt überlassen werden kann. Ansonsten entsteht auch ein Vollzugsproblem, denn den Vollzug kann der Markt sicher nicht regeln sondern nur der Gesetzgeber.

Der Blackout in Italien im letzten September hat deutlich gezeigt, dass eine ausreichende inländische Stromproduktion zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit und Versorgungsqualität unabdingbar ist. Man kann nicht dauerhaft seinen Inlandsbedarf aus dem Ausland decken. Dies macht versorgungs- bzw. stromtechnisch in Bezug auf die Länge des Transportweges keinen Sinn.

Es muss in Europa eine flächendeckende regionale Produktion geben, andernfalls lässt sich ein stabiles europäisches Stromverbundnetz zur Gewährleistung der internationalen und nationalen Versorgungssicherheit nicht betreiben.

  • Frage 7) Glauben Sie, dass die Politik genug tut die Strom-Versorgungssicherheit der Schweiz sicherzustellen ?

Nur 9 % in unserer Umfrage der Meinung, dass die Politik genug tut, um die Stromversorgung in unserem Land wirklich sicherzustellen. Mehr als 60 % der Befragten stellen einen zu geringen Einsatz der Politik fest.



Fazit: Der VPE muss, will und wird sich weiterhin stark mit Sachargumenten in der Energiepolitik engagieren.

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