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Unbestritten war, dass die sich ab dem Jahre 2020 öffnende Lücke zwischen Angebot und Nachfrage Handlungsbedarf signalisiert. Bei der Lösungsfindung sollte nicht nur die Stromproduktion berücksichtigt werden, sondern das gesamte Versorgungssystem (Strom, Wärme und Energieeffizienz). In der Bundesverfassung sind im Energieartikel die drei gleichwertigen Ziele der Wirtschaftlichkeit, Umweltverträglichkeit und Versorgungssicherheit verankert. Da diese Ziele zwangsläufig zu Zielkonflikten führen, sind unterschiedliche Gewichtungen unvermeidbar. Während für Vertreter der Stromwirtschaft in erster Linie die Wirtschaftlichkeit eines Projektes entscheidend ist, gaben andere Teilnehmende des Forums der Umweltverträglichkeit höchste Priorität. These 1: Viele Teilnehmende sind der Auffassung, dass zurzeit ein Bau eines Kernkraftwerkes gesellschaftlich nicht durchsetzbar sei. Auf längerfristige Sicht herrscht keine Einigkeit: die einen argumentieren, dass stark steigende Preise in Europa infolge einer Angebotsverknappung die Akzeptanz erhöhen könnte, denn rein betriebswirtschaftlich seien Kernkraftwerke zum heutigen Zeitpunkt für Investoren interessant. Für die anderen sind KKW auch längerfristig nicht durchsetzbar, da es sich nicht um eine nachhaltige Energietechnik handle. In der Aussage von Herrn Sala liege möglicherweise der Auslöser für eine erneute Diskussion in unserem Land über die Kernenergie. Für einige Teilnehmende ist die Akzeptanzfrage an die Lösung der Entsorgungsproblematik gekoppelt. Gegner eines neuen KKW werden sich mit allen legalen Mitteln gegen den Bau neuer KKW wehren. These 2: Mehrheitlich ist man sich einig, dass die Versorgungssicherheit besser gewährleistet werden kann, wenn die Produktion im eigenen Land erfolgt. Im Weiteren könnten dadurch Transportkosten und -verluste gering gehalten werden. Deshalb sei die Förderung der Wasserkraft in der Schweiz sinnvoll, umso mehr, weil sie sich auch gut vermarkten liesse. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht sei es momentan nicht rentabel, in inländische Produktion zu investieren, wie das Beispiel Ruppoldingen zeige. Deshalb würden Stromhandelsfirmen mit Investitionen nach Italien, Osteuropa oder zum Teil auch nach Frankreich ausweichen. Windenergiebefürworter plädieren insbesondere für die Förderung von Off-Shore Windanlagen, da dort der Strom zunehmend günstiger produziert werden könne. Die Vertreter der Stromwirtschaft entgegnen, dass das Ende des Zeitalters mit Überschüssen in Europa nahe und zum Beispiel Deutschland 50% seiner Kapazitäten erneuern müsse, weshalb es seine Windenergie selber brauche. Im Weiteren seien die Transportkosten sehr hoch, da zusätzliche Netze gebaut werden müssten. Zudem sei die Überbelastung der Netze mitverantwortlich für mögliche Netzzusammenbrüche. Dem widersprechen die Windenergiebefürworter und sehen als Grund für Netzzusammenbrüche den zunehmenden Stromhandel und die mangelnde Regulierung. Zur Importfrage hält das BFE fest, dass die Szenarien Möglichkeiten aufzeigten; Kosten und Risiken einer Importlösung im Vergleich zu inländischer Produktion. Der Entscheid bezüglich der Wahl des Szenarios müsse dann von der Politik getroffen werden. These 3: Niemand kann einem fossilen Zwischenschritt vorbehaltlos zustimmen. Vielmehr betrachtet man Gas-Kombi-Kraftwerke als mögliche Ergänzung, falls sich sonst keine Möglichkeit findet, die Lücke zu schliessen. Es wird jedoch auch argumentiert, dass ein Gas-Kraftwerk eine Lebensdauer von 30 Jahren habe, was bedeuten würde, dass auch ein Zwischenschritt 30 Jahre dauern würde. Die Strombranche geht davon aus, dass ein allfälliger Bau von Gas-Kombi-Kraftwerken kein bewusster Zwischenschritt sondern ein Einstieg in eine andere Technologie sei, die solange beibehalten würde, wie sie betriebswirtschaftlich sinnvoll sei. In weiteren Einzelvoten wurde zum einen festgehalten, dass die fossile Option im Zusammenhang mit Wärme-Kraft-Koppelungsanlagen (WKK) valabel sei. Zum andern biete der Ausbau der WKK die Vision 2050 einer dezentralen Versorgung ohne Erdöl. Der Mehrverbrauch an Strom könnte allenfalls aus einem KKW gewonnen werden. These 4: Die Forumsteilnehmenden sind sich uneinig, ob eine Vollversorgung aus EE erstrebenswert ist. Mit Verweis auf eine Shell-Graphik wird die Vielfältigkeit des weltweiten Mixes postuliert. Geothermie habe zwar ein gewisses Potenzial aber kaum alleine für die Stromgewinnung sondern in erster Linie für Wärmenutzung. Wasserkraft lasse sich als Band- und Spitzenenergie einsetzen, sollte aber gemäss Strom¬branche nicht eingesetzt werden, um Windflauten abzudecken. Im Weiteren gehöre die Kernenergie zu einem sinnvollen Energiemix. Zudem sollten EE dort produziert werden, wo sie am billigsten seien. Ein Umweltvertreter sieht in steigenden Preisen am Strommarkt auch eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit von neuen EE. Diesem Argument stimmt die Strombranche zu, ergänzt allerdings, dass Wasserkraft und neue EE punktuell ausgebaut werden sollten; letztlich würden sich aber Grosstechnologien auch in Zukunft durch Skaleneffekte betriebswirtschaftlich durchsetzen. Das Verlassen des Weges der Wirtschaftlichkeit sei falsch. Schlussvotum Herr Steinmann (BFE): • Die Stromlücke nach 2020 ist unbestritten • Das Wirtschaftlichkeitskriterium alleine steht im Widerspruch zur Forderung nach Versorgungssicherheit und Autarkie; die Produktion sollte nahe am Verbrauch sein. • Wasserkraft ist unbestritten. Allerdings sind die Kosten für neue Anlagen hoch, weshalb sich die Frage stellt, wie Erneuerungen in der Schweiz gefördert und finanziert werden können? • KKW: Die Diskussion geht weiter; die Option in der Schweiz ist weiterhin offen. Frankreich macht Angebot an die Schweiz, sich erneut an ihrem KKW-Park zu beteiligen. • Neue EE: es sollten nicht nur Konsumenten grünen Strom auswählen können. Nötig sind auch Quoten und andere Fördermittel. Die EVU sollten das Image der EE vermarkten. • Die Netzproblematik bei dezentraler Versorgung sollte vertieft untersucht werden. |