Wasserkraft und Strommarktliberalisierung

Die Strommarktliberalisierung findet statt. Sie bringt einen massiven Kostendruck auf die Kraftwerke, sie führt aber auch zu einer differenzierteren Betrachtung des Produkts Strom. Strom ist nicht mehr gleich Strom. Auch wenn dies an der Steckdose nicht zum Ausdruck kommt.

Händler verkaufen inzwischen verschiedene Arten von Stromprodukten bzw. Strommixen. Während der Kostendruck den Betrieb der Kraftwerke gefährdet, ergibt sich eben aus der Unterscheidung von Stromprodukten eine Chance für die Wasserkraft, wenn

  • das Bewusstsein um die Nachhaltigkeit der Wasserkraft im ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Sinne bei allen beteiligten Partnern (Behörden, Bevölkerung, Produzenten, Kunden, Händler, etc.) gestärkt wird.
  • die Verkaufschancen, die sich aus der Produktedifferenzierung ergeben, genutzt werden (Ökostromgeschäfte, Export von Wasserkraft, etc.).
  • die gesetzlichen Rahmenbedingungen so gestaltet werden, dass die Wasserkraft faire Wettbewerbsbedingungen erhält.
  • klare Rahmenbedingungen geschaffen werden, welche für Rechtssicherheit sorgen und auf die man sich einstellen kann.
  • die heutige Wasserkraftnutzung vollständig erhalten wird, um die Ziele des CO2- Gesetzes und des Kyoto- Protokolls einhalten zu können.

Die Politik braucht die Wasserkraft zur Erreichung der Klimaschutzziele (Verminderung des Treibhauseffektes durch Reduzierung der CO2-Freisetzung). Die Wasserkraft braucht die Politik als Unterstützung im liberalisierten Strommarkt. Die Gesetze des freien Marktes bestimmen zwar den Preis für Strom, der aber nicht zum ökologischen Regulator werden darf.

Wasserkraft bietet viele Zusatznutzen, die spürbar aber nur schwer quantifizierbar sind. Die Energiepolitik darf der wichtigsten regenerativen Stromerzeugung nicht durch verwaltungstechnische Hemmnisse das Wasser abgraben. Die politischen Ziele müssen mit dem Einsatz der großen Wasserkraft in Einklang gebracht werden.


Argumente für die Wasserkraft

Globale Umweltauswirkungen

  • Wasserkraft ist erneuerbare Energie, sie schont die Rohstoffe
  • Wasserkraft setzt im Betrieb kaum Luftschadstoffe und CO2 frei

Gesellschaftlicher Nutzen

  • Wasserkraft hilft, die Abwanderung aus strukturschwachen Berggebieten zu bremsen.
  • Durch die Eingriffe in die Landschaft werden zwar naturbelassene Gebiete verbraucht - trotz der Mass-nahmen, die für einen möglichst schonenden Eingriff getroffen werden. Wasserkraft schafft aber auch neue, wertvolle Erholungs- und Lebensräume für Menschen, Pflanzen und Tiere.

Wasserkraft leistet einen Beitrag zur wirtschaftlichen Nachhaltigkeit

  • Wasserkraft ist einheimische Energie. Nahezu 100% der Einnahmen fliessen in die schweizerische Wirtschaft und in einheimische Arbeitsplätze.
  • Die Nutzung der Wasserkraft bringt Einnahmen in Form von Wasserzinsen, Steuern, Abgeltungen, Investitionen und Löhnen. Dadurch findet ein Ausgleich statt zwischen den begünstigten Wirtschaftsstandorten des Mittellandes und den strukturschwachen Randregionen.
  • Die Produktionskosten der Wasserkraft sind weitgehend unabhängig von Preisschwankungen importierter Primärenergieträger und von Wechselkursschwankungen gegenüber dem Dollar.
  • Wasserkraftnutzung schafft und sichert lokal und regional Arbeitsplätze (Haupt- und Nebenerwerb) im wirtschaftlich benachteiligten Berggebiet.
  • Mit dem Bau und Unterhalt von Erschliessungsstrassen übernimmt die Wasserwirtschaft Infrastrukturaufgaben.
  • Wasserkraftnutzung leistet einen wesentlichen Beitrag zur touristischen Erschliessung schöner Erholungslandschaften.
  • Insbesondere die Speicherseen in den Alpen können bei starken Niederschlägen grosse Mengen Wasser zurückhalten. Sie dämpfen damit Hochwasserspitzen und begrenzen Hochwasserschäden.

Wasserkraft hat technische Stärken

  • Die Umwandlung in Strom erfolgt mit sehr hohem Wirkungsgrad von bis über 90%.
  • Strom aus Speicherkraftwerken ist jederzeit schnell verfügbar.
  • Strom aus Speicherkraftwerken ist "speicherbare" Reserve. Speicher erlauben die kurzzeitige In- oder Ausserbetriebnahme von Kraftwerksgruppen für den Lastausgleich und für die Abdeckung des im Tagesverlauf schwankenden Energiebedarfs und für Störungen. Zudem speichern Stauseen im niederschlagsreichen Frühling und im Sommer Strom für den niederschlagsarmen Winter.

Kalkulatorische Energiepreiszuschläge (Quelle: Verbandsschrift SWV Nr. 64)

  • Kann man die Stärken und Schwächen der Wasserkraft bewerten? Ein verbreiteter Bewertungsmassstab eines Produktes ist dessen Preis. Viele Sekundäreffekte, auch bei der Stromproduktion, sind aber in der Preisbildung nicht enthalten, es handelt sich um sogenannte externe Kosten und Nutzen. Diese sind oft nicht exakt zu ermitteln. Die untersuchten Literaturergebnisse zeigen aber doch einheitlich, dass die externen Kosten der Wasserkraft, wie übrigens auch der Kernenergie, welche bekanntlich das zweite Standbein der schweizerischen Stromversorgung darstellt und der sogenannten neuen erneuerbaren Energieträger deutlich geringer sind als diejenigen des fossil thermisch erzeugten Stroms, auch das ein Ausdruck einer positiven Nachhaltigkeitsbilanz.



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