Lohndiskussionen und -kämpfe, die heute noch geführt werden, nämlich jene um die Arbeiterlöhne, werden schon bald keine Bedeutung mehr haben, weil diese Löhne nur noch einen marginalen Kostenanteil von vielleicht 5 bis 10 Prozent der Gesamtkosten ausmachen werden. Das sind Quoten, die in den bestorganisierten Fabriken der Welt bereits Tatsache sind. Die Auswirkungen auf Gewerkschaften, Parteienlandschaft und Politik werden erheblich sein. Daraus nun wiederum zu schließen, dass damit die Lohnsummenbelastung sinken werde, ist ebenfalls falsch. Praktisch nirgends ist wegen Computern und Automatisierung die Lohnsumme gesunken. Niedriger ist in einigen Fällen nicht die absolute Lohnsumme, sondern die Lohnsumme bezogen auf die Wertschöpfung, oder auf das bewegte Volumen. Man kann also nach der Computerisierung mehr leisten mit derselben Basis. Dies ist natürlich eine Verbesserung. Was vor allem gesunken ist, ist die Zahl der beschäftigten Personen. Was vor Computerisierung und Automatisierung von vielen, aber relativ billigen, manuellen Arbeitskräften geleistet wurde, wird danach von zwar viel weniger, dafür aber umso teureren Kopfarbeitern geleistet. Die klassische Stahlerzeugung benötigte viele, aber vergleichsweise billige Stahlarbeiter. Ein modernes Stahlwerk braucht nur noch wenig Personal insgesamt und davon nur einen verschwindenden Anteil an klassischen Stahlarbeitern. Die anderen „Wenigen“ sind hochqualifizierte und sehr teure Kopfarbeiter – Spezialisten, wie Computeroperateure, Metallurgen und Prozessingenieure, deren Ausbildung allein oft mehr gekostet hat, als die Kapitalausstattung eines Arbeitsplatzes.
Die neue Wirtschaft wird somit auch nicht mehr den ökonomischen Theorien entsprechen, die wir heute haben, die aber Theorien für die Wirtschaft der letzten 100 Jahre sind. Eine der Grundlehren aller Wirtschaftstheorien ist, dass eine Wirtschaft, eine Branche, ein Unternehmen entweder kapitalintensiv oder arbeitsintensiv sei, aber niemals beides gleichzeitig. So war es auch in den letzten 100 Jahren. Diese Theorien stimmten also. Sie sind jetzt aber dabei, falsch zu werden. Die moderne Wirtschaft wird beides gleichzeitig sein. |
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