Primärregelung

Beispiel einer Primärregelung (Frequenz [mHz] vs Zeit [min])

Die Primärregelung bremst einen Frequenzabfall/-anstieg im Versorgungsnetz und stabilisiert die Frequenz auf neuem Niveau. Falls nicht eine Sekundärregelung erfolgt ergibt sich eine bleibende Frequenzabweichung.

Ein Anstieg des Stromverbrauchs belastet zunächst einmal das Niederspannungsnetz. Zum Teil kompensieren sich unterschiedliche Belastungen an verschiedenen Stellen des Niederspannungsnetzes wechselseitig. Verbleibt aber per saldo ein Spannungsabfall, der bestimmte Toleranzwerte überschreitet, so muss der Lastwechsel vom übergeordneten Mittelspannungsnetz ausgeglichen werden. Und wenn im Mittelspannungsnetz die Lastrechnung nicht aufgeht, müssen das Hoch- und Höchstspannungsnetz in die Bresche springen.


Im Hoch- und Höchstspannungsnetz wird z. B. ein höherer Stromverbrauch zunächst aus der Bewegungsenergie aller rotierenden Massen gedeckt. Er zehrt damit an der Drehzahl der mächtigen Rotoren in den Kraftwerken und könnte die Einhaltung der Netzfrequenz gefährden, wenn nicht eine automatische Regelung sofort dafür sorgen würde, dass die Turbinen mehr Dampf bekommen und so das weitere Absinken der Drehzahl verhindern. An dieser "Primärregelung" sind Kraftwerke aus dem gesamten Verbund solidarisch beteiligt. Für einen einzelnen Kraftwerksblock ist das nicht besonders viel, aber im Verbund der Erzeuger addieren sich die Einzelbeiträge zu einem Potenzial, mit dem auch der Ausfall eines großen Kraftwerks aufgefangen werden kann.


Beispiel eines Kraftwerkausfalles (P1) und erhöhte Produktion (Delta P) der übrigen Kraftwerke (P2-8)

Je größer ein Verbund ist, umso größer ist die Leistungsfähigkeit dieser Primärregelung, die in Sekundenschnelle abläuft und deshalb auch als "Sekundenreserve" bezeichnet wird. So kann ein Lastwechsel, der zehn Großkraftwerke total überfordern würde, von fünfzig Großkraftwerken mühelos aufgefangen werden. Voraussetzung ist natürlich, dass die an der Primärregelung beteiligten Kraftwerke nicht bereits bis an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit beansprucht sind, sondern noch über entsprechende Reserven verfügen.

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