Rundsteuerung

Eine Sonderrolle im Kommunikationsnetz der Stromversorger nimmt die so genannte Rundsteuerung ein. Sie heißt so, weil sie - ähnlich wie der Rundfunk, aber über das Netz - rundum Signale an Empfänger aussendet, die diese Signale zu entschlüsseln vermögen. Es handelt sich also um eine Einwegkommunikation. Mit den Rundsteuersignalen wird vor allem das zeitlich festgelegte Ein- und Ausschalten bestimmter Geräte veranlasst, etwa das Einschalten der Straßenbeleuchtung am Abend und ihr Ausschalten am Morgen. Man kann mit ihnen aber auch Stromzähler auf einen anderen Tarif umschalten oder bestimmte Verbrauchergruppen, bei denen es nicht so genau auf die Zeit des Strombezugs ankommt (z. B. Fußbodenheizungen, Kühlräume), gezielt an- und ausschalten, um einen besseren Ausgleich der Lastkurve zu erreichen.

Für die Rundsteuerung wird eine Frequenz im Bereich von 168 bis 1 600 Hertz benutzt. Diese Frequenz wird durch induktive oder kapazitive Kopplung aufs Netz übertragen und der Amplitude des Wechselstroms aufgeprägt. Insofern ähnelt die Rundsteuerung der Trägerfrequenztechnik, bei der die Netzfrequenz ebenfalls mit einer höheren Frequenz "moduliert" wird. Während aber die Trägerfrequenz nur den Träger für das eigentliche Signal der Sprach- oder Datenübertragung abgibt, besteht bei der Rundsteuerung die Botschaft in der ausgestrahlten Frequenz selbst. Die Rundsteuerfrequenz wirkt durch ihre bloße An- oder Abwesenheit im Netz als Signal. Etwa so wie ein Lichtsignal, das entweder "Ein" oder "Aus" bedeuten kann.

Da "Ein" oder "Aus" nicht ausreicht, um unterschiedliche Befehle an unterschiedliche Empfänger übermitteln zu können, muss die Rundsteuerfrequenz in Impulsfolgen gegliedert werden, die - ähnlich wie beim Morsealphabet - eine definierte Bedeutung haben. Die Empfänger sind ihrerseits mit Filtern ausgerüstet, so dass sie aus der Rundsteuersendung nur jeweils jene Impulsfolge "herausfischen", die für sie bestimmt ist.

Unter den Systemen zur Beeinflussung der Netzlast hat die Rundsteuerung international die größte Verbreitung. In manchen Ländern werden ihre Funktionen auch von UKW-Funk, Langwellenfunk oder Telefonleitungen übernommen.

Ein besonderer Vorteil der Rundsteuerung ist ihre relative Unempfindlichkeit gegen Störungen von außen. Die Signale, die im Umspannwerk ins Niederspannungsnetz eingespeist werden, können wegen ihrer beachtlichen Stärke und wegen des niederen Frequenzbereichs kaum zufällig oder absichtlich beeinflusst werden.


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