 |
 |
| Frei - und doch gefangen? |
|
 |
... von Prof. Dr. Lothar Seiwert, Heidelberg
Es ist merkwürdig. Vielen Menschen gelingt es zwar, ihren beruflichen Erfolg zu planen, doch beim Versuch, ein erfülltes Leben zu führen, scheitern sie. Wie jeder ein bisschen mehr für sich und seine Lebensziele tun kann, sagt Ihnen heute Prof. Dr. Lothar Seiwert. Seine Coaching- und Consultingfirma SEIWERT-INSTITUT GMBH in Heidelberg hat sich auf die Themen Time-Management, Life-Leadership® und Work-Life-Balance spezialisiert.
Kennen Sie das? Wochenlang hetzen Sie von einem Termin zum nächsten. Zum Nachdenken bleibt Ihnen keine Zeit. Doch dann plötzlich - zum Beispiel auf der Fahrt mit der Straßenbahn zum Bahnhof, wo der Zug zum nächsten Termin auf Sie wartet - packt Sie das Gefühl: Das Leben streicht an mir vorüber. Warum? Auf einmal nehmen Sie, weil Sie beim Straßenbahnfahren ohnehin nichts tun können, ein Liebespaar wahr, das sich küsst, oder eine ältere Dame, die beim Einsteigen mit zwei Schulmädchen witzelt. Und schon fragen Sie sich: Wo ist eigentlich mein Platz in dieser Szenerie? Ich hetze von einem Termin zum nächsten und stehe ständig unter Strom. Aber eigentlich weiß ich gar nicht mehr, wofür ich das alles mache.
Solche Gedanken packen viele Führungskräfte aus dem Vertrieb immer wieder. Auch sie haben oft das Gefühl: Das Leben rennt an mir vorbei. Meinen Beruf bringe ich zwar auf die Reihe. Auch mein Leben funktioniert irgendwie. Doch, dass ich ein erfülltes Leben führe, kann ich nicht sagen. Dafür lasse ich mich viel zu stark fremd bestimmen. Irgendwie fehlt die richtige Balance in meinem Leben. Spätestens, wenn es dann auch beruflich nicht mehr vorwärtsgeht, oder wenn ein Schicksalsschlag, wie zum Beispiel eine Krankheit, die gewohnte Routine durchbricht, stellt sich vielen Menschen die Sinnfrage. Erschreckt registrieren die meisten dann: Was war ich früher doch für ein kreativer und vielseitig interessierter Mensch; heute funktioniere ich nur noch. Ich fahre nur noch durch Einbahnstraßen. Meine Kinder werden groß, ohne dass ich sie heranwachsen sehe. Mein Lebenspartner wird mir immer fremder. Glücklich kann sich dann der schätzen, der noch rechtzeitig instinktiv spürt: Mit meinem Leben ist etwas nicht im Lot oder in Dysbalance.
Am schlimmsten trifft es meist das Privatleben. Beruflich wissen die meisten Menschen, was sie in fünf oder zehn Jahren erreichen wollen, doch für ihr Privatleben fehlen ihnen entsprechende (langfristige) Ziele. Deshalb werden private Termine, wenn es mal wieder eng wird, ersatzlos gestrichen. Immer wieder registriert man im Kontakt mit beruflich Erfolgreichen: Ihre Arbeit können sie zwar gezielt gestalten, auch ihr berufliches Weiterkommen managen sie geschickt, doch zum Managen ihres eigenen Lebenserfolgs und -glücks – zu einer ausgewogenen „Work-Life-Balance“ - sind sie nicht fähig. Ihnen fehlt die rechte Lebens-Balance. Sie räumen dem Lebensbereich „Arbeit und Leistung“ die absolute Priorität bei ihrer Lebensgestaltung ein. Die drei anderen Ebenen hingegen - „Sinn“, „Körper/Gesundheit“ und “Familie/Kontakte“ - verkümmern. Sie übersehen, dass diese vier Lebensbereiche in einer wechselseitigen Abhängigkeit stehen.
|