Spotmarkt - Produkte und Geschäfte mit Beispielen

Spotmarkt - Produkte

Dem Gedanken des idealen Marktes folgend, weisen Börsenprodukte eine hohe Standardisierung auf. Sie sind in unterschiedlichsten Mengen zwischen verschiedenen Marktteilnehmern ohne individuelle Vereinbarungen und damit allein preisorientiert handelbar. Die Einführung von Strombörsen in Deutschland hat erst die Verbändevereinbarung 1999 ermöglicht. An der deutschen Strombörse sind derzeit folgende Spotmarkt - Produkte handelbar:

  • Baseload (0..24 h), Peakload (8...20 h von Montag bis Freitag), Stundenkontrakte; Stückelung: 1 MW
  • Blockkontrakte (Standardblocks (Base-, Peak-, Off-Peak 1- und Off-Peak 2-Load), Specials (6 verschiedene, 4 oder 6 Stunden)); Stückelung 100 MW Stundenkontrakte; Stückelung 0,1 MW

Spotmarkt - Geschäfte

Unter dem Begriff ‚Spothandel' versteht man börsengehandelte (also standardisierte), verbindliche und kurzfristige Warengeschäfte. Im Gegensatz zu OTC Geschäften sind sich Käufer und Verkäufer nicht bekannt; die Geschäfte werden mit der Clearingstelle der Börse als Vertragspartner abgewickelt. Börsengeschäfte werden durch die Abgabe von Geboten initiiert. Bei Geboten für Baseload und Blockkontrakte unterscheidet man

  • preisabhängige Gebote: Ein Geschäft wird nur ausgeführt, wenn der MCP das Preislimit nicht unter oder überschreitet.
  • preisunabhängige Gebote: Geschäfte mit sehr hoher Mengensicherheit, da sie praktisch immer zur Ausführung gelangen.

Beispiele für Spotmarkt - Geschäfte

Beispiel (I)

Ein Sales Portfolio Manager ist auf Grund eingekaufter Peak load von 17 bis 18 h long. Das bedeutet: Der prognostizierte Absatz an seine Kunden liegt unter der eingekauften Leistung. Er bietet deshalb über die Börse an:

  • Zeitraum: 17 bis 18 h Folgetag
  • Leistung I: 20,5 MW
  • Preis I: preisunabhängig
  • Leistung II: 9,5 MW
  • Preis II: 26 EUR / MWh

An der Börse bildet sich ein Gleichgewichtspreis von 24,50 EUR / MWh für Single-hour-Spothandel des Folgetages. Der SPM erlöst für das erste Gebot 1 h * 20,5 MW * 24,50 EUR / MWh = 502,25 EUR. Das zweite Gebot kann er über die Börse nicht verkaufen.

Beispiel (II)

Da er die Arbeit aber über einen anderen Peak load - Vertrag (z.B. über einen Forward) eingekauft hat, speist er sie ins Netz des Übertragungsnetzbetreibers (ÜBN) ein und erlöst damit z.B. 1 h * 9,5 MW * 15 EUR / MWh = 142,50 EUR. Der SPM erlöst also insgesamt 502,25 EUR + 142,50 EUR = 644,75 EUR für 30 MWh (also im Mittel etwa 21,50 EUR / MWh). Auch hier findet ein Risikosplitting bei wesentlich kleineren Volumina statt. Hätte er die Gesamtmenge preisunabhängig angeboten, so wäre das in diesem Fall vorteilhaft gewesen (Erlös: 735 EUR). Hätte er die 30 MWh zu 25 EUR preisabhängig angeboten, so wäre das Geschäft in diesem Fall nicht ausgeführt worden und er hätte komplett ins ÜNB-Netz gespeist (Erlös in diesem Fall: 450 EUR).


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